Zusatzfragen zu Uni-Sex-Tarifen

Was bedeutet das überhaupt in der Praxis? Bei privaten Lebens- und Rentenversicherungen haben wir dann Uni-Sex-Tarife. Diese sind gegenüber den biometrischen Grunddaten für Männer "zu teuer" und für Frauen "zu günstig".

Einschub

Das ist jetzt keine Diskriminierung, sondern hat etwas mit den deutlich unterschiedlichen Lebenserwartungen zu tun. Nehmen Sie die Sterbetafeln des statistischen Bundesamtes, dann hat der Jahrgang 1977 im Alter 67 noch folgende durchschnittliche Lebenserwartung Männer 20,2 Jahre und Frauen 23,17 Jahre. Wenn Sie zu dem Zeitpunkt über ein Kapital von 100.000 EUR verfügen und eine Wertentwicklung von 4% p.a. annehmen, dann können Männer pro Monat etwa 590 EUR Kapital entnehmen und Frauen 540 EUR, damit am Lebensende kein Kapital mehr vorhanden ist.

Würde man jetzt ganz einfach monatlich 560 EUR entnehmen, dann reicht das Geld für 21,65 Jahre Deswegen stehen beim Mann am Ende seine Lebens nach ca. 20 Jahren noch 11.600 EUR auf dem Konto. Bei der Frau stehen am Ende des Geldes noch ca, 1,5 Jahre  = 18 Monate auf der Lebensuhr.

Fortsetzung der Fragestellung

Unterstellen wir, dass in der bAv geschlechtsspezifische Tarife zur Anwendung kommen. Dann erhalten Männer in Abwandlung des obigen Beispiels eine Rente von 580 EUR und bei einer privaten Rentenversicherung nur 560 EUR und Frauen erhalten in der bAv nur eine Rente von 540 EUR und bei der privaten LV eine Rente von 560 EUR.

Verstehen würde das keiner und wenn Menschen sich wirklich streng rational verhalten würden, dann würde kein Mann eine private Rentenversicherung abschließen und keine Frau eine bAv.

Das würde die Kalkulation bei den bAv-Tarifen nicht stören, weil die ja geschlechtsspezifisch kalkuliert wurden.

Was ist aber bei der privaten Rentenversicherung, wenn die eigentlich einkalkulierten frühversterbenden Männern fehlen und nur langlebige Frauen versichert werden?

Geht dann die Kalkulation noch auf oder müssen Die Tarife dann doch als reiner Frauentarif kalkuliert werden, mit der Konsequenz, dass Frauen doch nur eine private Rente von 540 EUR bekommen?

Dann hätten wir eine saubere Trennung: Männer machen bAv und Frauen versichern sich privat.

Oder Frauen stellen fest, dass sie mit der privaten Rentenversicherung nicht mehr bekommen als in der bAv und nehmen dann doch die steuerlichen Vorteile der bAv wahr.

Die Zuspitzung ist natürlich übertrieben, aber das sind doch zumindest einmal spannende Aussichten für dieses Jahr, oder?

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