Tod der Langlebigkeit

Eine Lösung, die sich nicht nur für Familien-GmbHs empfiehlt

Gesellschafter-Geschäftsführer, die in den 80-ipger bis 90-iger Jahren eine Jahren eine Pensionszusage erhalten haben, nähern sich mit Riesenschritten dem Pensionszeitpunkt. Wenn diese dann bei Rentenbeginn feststellen, dass die Zusage nicht ausfinanziert ist, dann kann es ein böses Erwachen geben. Gerade wenn die Firma aber in der Familie bleibt, bieten sich Lösungen an, die doch noch bezahlbar sind und den Nachfolgern trotzdem die Sorge vor der Langlebigkeit nehmen.

(Download als PDF)

In einem ganz typischen Fall wurde das Bundes-Versorgungs-Werk gebeten, eine Lösung für die drei Pensionszusagen in einer Familien-GmbH zu erarbeiten. Zusammen mit dem betreuenden Makler wurde ein Modell entwickelt, dass der Elterngeneration die Auszahlung der vollen Rente sichert, ohne die Erben mit einer „ewigen“ Rentenzahlung zu belasten. Denn es ist ja gar nicht so sehr die Verpflichtung, eine Rente zu zahlen, die Erben erschreckt. Viel gravierender ist der Gedanke, dass diese Rente u.U. für 30 oder mehr Jahre zu zahlen ist. Außerdem wurden die Belastungen für die Erben auf ein vertretbares Maß begrenzt.

Der Musterfall

Thomas Muster, der Senior ist inzwischen 65 Jahre alt und hat einen Anspruch auf eine Rente von € 1.534. Der Altersrentenbarwert beträgt etwa € 192.000, der Versicherungsbarwert zur vollen Rückdeckung der Zusage beträgt sogar knapp € 314.000. Aus der Versicherung ist nur etwa € 152.000 - oder eine Rente von € 850 - zu erwarten. Für die Rückdeckungsversicherung wurde bisher € 1.275 pro Monat gezahlt.

Die Ehefrau Irene Mann-Muster ist 60 Jahre alt und hat ebenfalls einen Anspruch auf Altersrente von €1.534. Der steuerlich anerkannte Altersrentenbarwert beträgt € 222.000, der Versicherungsbarwert € 311.500. Die bestehende Versicherung bringt zum 65. Lbj. entweder ein Kapital von € 158.000 oder eine Monatsrente von € 770. Der Beitrag für diese Versicherung beträgt € 755.

Der Juniorchef Thomas Mann ist Anfang 40 und hat ebenfalls eine Zusage über € 1.534 Altersrente. Die Rückdeckungsversicherung mit einem Beitrag von € 221 wird vermutlich einmal ein Kapital von etwa € 91.000 oder eine Rente von € 470 bieten.

Verzicht oder Teil-Abfindung

Natürlich ist es möglich, dass die Eltern sich mit den Renten begnügen, die aus der Rückdeckungsversicherung zu erwarten sind oder sie können sich mit dem Heubeck-Barwert abfinden lassen. Das eine hätte einen Teilverzicht zur Folge, der mit einer teueren verdeckten Einlage „bestraft“ wird. Bei der Abfindung mit den steuerlich anerkannten Barwerten wäre ebenfalls ein erheblicher Verzicht die Folge, die nach einem arbeitsreichen Leben weder von den Eltern noch von den Erben gewünscht wird.

Die klassische Lösung

Die Firma muss also entweder einen Teil der Renten aus laufenden Erträgen zahlen oder die Rückdeckungsversicherung so aufstocken, dass die Renten von einer Versicherung getragen werden können. (Das ist eine Sicherheitsvariante, mit der das „Risiko“ der Langlebigkeit ausgelagert wird.)

Gerade bei den Eltern sind die Belastungen bei einer sofortigen Ausfinanzierung des Versicherungsbarwertes ganz erheblich.

Für Herrn Muster wäre ein Betrag von ca. € 142.400 zu zahlen. Für Frau Mann-Muster ein Betrag von € 134.200. Solche Zahlungen sprengen oft die Leistungsfähigkeit einer GmbH.

Die Alternative bei Streckung der Zahlung

Wenn es allerdings nur darum geht, das Risiko einer wirklich langen Rentenzahlung auszulagern, gibt es auch keinen Zwang, diesen Betrag sofort aufzubringen. Wenn man absehen kann, dass die Rentenzahlung in 5 oder 10 Jahren ganz ausgelagert werden kann, dann geben sich ganz andere Spielräume. Der Kapitalbedarf für die dann noch zu zahlende Rente sinkt, weil ja schon 5 oder 10 Jahresrenten gezahlt wurden. Außerdem kann bis dahin noch die Verzinsung des eingezahlten Kapitals genutzt werden.

Für Herrn Muster sinkt der Einmalbeitrag auf bis zu € 77.300, wenn die Rente ab 70 übertragen werden soll. Lässt sich die Firma sogar 10 Jahre Zeit, dann ist nur ein Einmalbeitrag von 47.500 zu zahlen.

Bis zu dem Zeitpunkt ist die Rente der Rückdeckungsversicherung von der Firma allerdings um € 684 aufzustocken.

Für Frau Mann-Muster sinken die Einmalbeiträge von € 134.200 auf etwa € 71.400 bei voller Ausfinanzierung ab 70 und auf € 48.500 bei einer kompletten Auslagerung ab 75.

Laufende Beitragszahlung

Gerade für die Altersversorgung von Herrn Muster ist aber auch die Nutzung einer laufenden Beitragszahlung eine sehr interessante Alternative. Bisher zahlt die Firma einen laufenden Versicherungsbeitrag von etwas € 1.275. Ab Rentenbeginn muss sie aber „nur noch“ € 684 dazu zahlen, weil ja bereits € 850 von der Versicherung gezahlt werden. Das verschafft der Firma einen Spielraum von € 591 pro Monat.

Nutzt das Unternehmen nun diesen Betrag, so kann es die Deckungslücke ab dem 76. Lbj. komplett auf eine klassische deutsche Rentenversicherung auslagern. Wird für diese Lösung eine angelsächsische Versicherung in Betracht gezogen, reicht u.U. auch schon ein monatlicher Beitrag von € 550, der für nur 9 Jahre gezahlt wird, um in 12 Jahren das Problem zu erledigen.

Für Frau Mann-Muster ist das Ergebnis nicht ganz so positiv, aber auch hier lassen sich bei einer laufenden Beitragszahlung noch erhebliche Erleichterungen erreichen. Würde die Lücke zum 65. Lbj ausfinanziert, wäre das mit einem Monatsbeitrag von etwa € 2.370 machbar. Streckt man die Finanzierung bis 70, könnte der Beitrag auf € 915 sinken. Für 72 und 75 gelten Monatsbeitrage von € 620 oder € 425. Eine Entlastung durch wegfallende bisherige Versicherungsbeiträge ergibt sich nicht, da die Deckungslücke bei der Rückdeckungsversicherung von € 764 sogar noch etwas über dem bisherigen Beitrag von € 755 liegt.

Der Junior

Für Herrn Mann-Muster ist die Deckungslücke noch erheblich größer als bei den Eltern, aber er hat auch noch etwa 25 Jahre Zeit, um die Lücke zu schließen. Dieses Problem ist mit einem Einmalbeitrag von etwa € 88.000 (deutsche Rentenversicherung) oder € 50.000 (angelsächsische Versicherung) zu lösen. Zahlt die GmbH in den nächsten 25 Jahren einen laufenden Beitrag, so liegt dieser bei etwa € 495 (konventionelle Rentenversicherung) oder bei etwa € 325 (angelsächsische Versicherung).

Zusammenfassung

Starrt man nur auf den Zeitpunkt des Rentenbeginns, türmen sich für die Ausfinanzierung einer Pensionszusage oft kaum überwindbare Hindernisse auf. Die Einmalbeiträge oder die wenigen Jahresbeiträge sind nur sehr schwer zu bewältigen. Nimmt man sich aber die Freiheit, die Zusage erst zu einem etwas späteren Zeitpunkt auszufinanzieren, so sinken die Belastungen ganz erheblich, weil der Kapitalbedarf sinkt oder die Kapitalanlagen auch noch Erträge erwirtschaften können.

Stehen auch noch wegfallende Versicherungsbeiträge dagegen, ändert sich gegenüber der Situation in der Anwartschaftszeit kaum etwas. Solche Lösungen liegen für Familien-GmbHs bei der die Erben das Risiko der Langlebigkeit auslagern wollen, förmlich auf der Hand. Aber auch wenn die Firma auf einen fremden Dritten übergeben soll, liegt mit dieser Lösung ein Ansatz vor, mit dem das Risiko der Altersversorgung für beide Seiten relativ fair zu bewerten ist.

Das Bundes-Versorgungs-Werk bietet diese Lösung im Rahmen ihrer „Bilanzsicherungsanalyse“ an, mit der Pensionszusage überprüft werden, bei der aber auch innovative Lösungen für die Rückdeckung der Zusage entwickelt werden.

Dipl.-Volkswirt Hans-Dieter Stubben

Hamburg. 16.02.2010


Diese Ausführungen wurden mit großer Sorgfalt zusammengestellt und stellen die Einschätzung der Bundes-Versorgungs-Werk BVW GmbH da. Aktuelle Erlasse, Gesetzte sowie die einschlägige Rechtsprechung können jedoch dazu führen, dass Änderungen eintreten. Aus diesem Grunde kann für die Richtigkeit keine Haftung übernommen werden. Es wird empfohlen im Zweifelsfall einschlägige Spezialisten zu Rate zu ziehen.

Info zur Lohnkostenstrukturierung

Workshop